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Jürgen Roth
Bewegliches Denken im Mathematikunterricht
Franzbecker Verlag,
Hildesheim, Berlin, 2005, ISBN 978-3-88120-416-3
Beim Lösen mathematischer Probleme ist es oft hilfreich, eine gegebene
Situation in Gedanken zu verändern. So kann man z. B. in eine
geometrische Figur eine Bewegung hineindenken oder in einer Relation die
gegebenen Größen gedanklich variieren. Man versucht dabei, die
Auswirkungen der Veränderung zu antizipieren und damit zu argumentieren.
In dieser Arbeit geht es um dieses „Bewegliche Denken“ als einem Teil
des mathematischen Denkens.
Betrachtet man die geschichtliche Entwicklung des Umgangs mit Bewegungen
und Veränderungen in der Mathematik und ihrer Didaktik und
berücksichtigt man insbesondere die heutigen (Visualisierungs-)Möglichkeiten,
die der Computereinsatz mit entsprechender Software bietet, so fällt die
Vielfalt der Überlegungen zu diesem Thema auf. Was bisher aber fehlt,
ist eine themenunabhängige Zusammenstellung der Fähigkeiten, die für
eine gedankliche Auseinandersetzung mit Bewegungen bzw. Veränderungen
notwendig und hilfreich sind. Aus der Auseinandersetzung mit der
Literatur, eigenen Unterrichtserfahrungen und im Hinblick auf das
Arbeiten mit dynamischer Geometriesoftware (DGS) werden drei
Kernfähigkeiten herausgearbeitet und unter dem Begriff „Bewegliches
Denken“ zusammengefasst:
- In eine Konfiguration Bewegung hineinsehen und damit argumentieren,
- die Gesamtkonfiguration erfassen und analysieren,
- das Änderungsverhalten erfassen und beschreiben.
In einer didaktischen Analyse wird die Rolle der Fähigkeiten des
Beweglichen Denkens für die Begriffsbildung und das Problemlösen als
Kernbereiche des Mathematikunterrichts beleuchtet und es wird
aufgezeigt, wie der Computer, insbesondere beim Einsatz von DGS, zur
Entwicklung des Beweglichen Denkens beitragen kann.
Gestützt auf eine klassische empirische Untersuchung über ein ganzes
Schuljahr in fünf 7. Klassen bayerischer Gymnasien wird gezeigt, dass es
mit dem in dieser Arbeit entwickelten Unterrichtskonzept und -material
möglich ist Bewegliches Denken langfristig zu entwickeln und zu fördern.
Dabei kommt diese Förderung hauptsächlich Schülern des mittleren
Leistungsdrittels zugute. Es lässt sich auch ein Transfer auf die
Algebra feststellen, obwohl sich der Unterrichtsversuch zum Beweglichen
Denken „nur“ auf die Geometrie bezog.
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